Auf den Spuren von Marie Hager

In Burg Stargard erinnert das ehemalige Wohnhaus der Landschaftsmalerin an ihr künstlerisches Schaffen

Wer hätte gedacht, dass Burg Stargard einst ein Hotspot der Landschaftsmalerei war. Die Stadt war sehr stolz, als Ende des 19. Jahrhunderts führende Künstler den Ort für ihre jährliche Sommerakademie auserkoren. Die Stargarder Malerschule war ein Begriff in der Szene. Die meisten bezogen in den Sommermonaten Hotels, Pensionen oder Privatzimmer in der Stadt. Einige wenige, wie Marie Hager, wurden dort sesshaft.

Lange in Vergessenheit

Lange geriet die Mecklenburgerin in Vergessenheit. Dabei war sie einst bekannte und angesehene Künstlerin, gilt als bedeutende norddeutsche Landschaftsmalerin. Annaliese Wagner, Neustrelitzer Heimatforscherin und Schriftstellerin, die sie persönlich kannte, schrieb 1980 in einem Werk über Marie Hager: „Wer hat sie nicht sommers wie winters mit Rucksack, Staffelei und ihrem kleinen Dackel „Pummel“, der als Kamerad und Wärmflasche diente und beim stundenlangen Stehen vor der Staffelei, besonders im Herbst und Winter, auf ihren Füßen lag, gesehen?“

Ein Selbstporträt von Marie Hager. Foto: Manuela Heberer

Ein Geschenk an die Stadt

Heute erinnert das Marie-Hager-Haus in Burg Stargard an die Künstlerin, die von 1921 bis zu ihrem Tod 1947 in ihrem kleinen Haus an der Dewitzer Chaussee lebte und arbeitete. Hagers Nichte Wiltrud Kratz schenkte es 1991 der Stadt Burg Stargard, verbunden mit dem Wunsch, dort eine Galerie und Erinnerungsstätte an Marie Hager einzurichten. Diese wurde im Jahr 1996 eröffnet. Seitdem unterstützt der zur gleichen Zeit gegründete Marie-Hager-Kunstverein-Burg-Stargard e. V. die Stadt bei der Pflege des Nachlasses und dem Betrieb des Hauses. Zahlreiche Marie-Hager-Bilder konnten zurück nach Burg Stargard geholt werden. Immer wieder melden sich Privatleute und Sammler, die eines der Werke der Freiluftmalerin besitzen. Manchmal werden sie bei Versteigerungen im Internet angeboten. Einige Werke sind durch Sponsoren zurückgekehrt. Die Stiftung Mecklenburg konnte vier Werke erwerben und hat sie dem Marie-Hager-Haus zur Verfügung gestellt.

Marie-Hager-Haus in Burg Stargard. Foto: Manuela Heberer
Durch Fördermittel der EU konnte die Stadt das Marie-Hager-Haus umfangreich sanieren. Foto: Manuela Heberer

Unbekannter Bilderschatz

Viele Geschichten und Erinnerungen sind mit den Bildern verbunden, erzählt Andrea Stahlberg, die für den Kunstverein arbeitet. So sind es oft Erbstücke, die aus Burg Stargard durch Deutschland gezogen wurden, bis sie schließlich als Schenkungen oder Leihgaben wieder im Marie-Hager-Haus landen. Wie groß der Bilderschatz der Marie Hager ist, vermag nur geschätzt werden. Häufig sind Motive aus ihren Heimatstädten Dargun und Burg Stargard abgebildet. Viele Malreisen führten sie auch nach Lübeck, Danzig, Stralsund, Stettin, Hamburg oder nach Tirol. Als Frau hatte es Marie Hager nicht leicht. Wenngleich sie sich in der Männerwelt durchaus behaupten konnte, ist Andrea Stahlberg überzeugt. Seit zehn Jahren beschäftigt sich die gelernte Krankenschwester mit Leben und Werk Marie Hagers und ist fasziniert von deren Persönlichkeit. „Eine starke, taffe Frau muss sie gewesen sein“, so Stahlberg. Das berichteten über die Jahre vor allem alteingesessene Stargarder, die Hager noch persönlich kannten.

Stargarder Malerschule lockte in die Stadt

Die in Penzlin geborene Pastorentochter war immer künstlerisch interessiert. Zunächst studierte sie Musik in Hamburg und Berlin, brach dies jedoch ab und widmete sich der Malerei. Hans Licht, Max Uth und Eugen Bracht zählten zu ihren Lehrern. Als Teilnehmerin an Studienreisen der sogenannten Stargarder Malerschule, die seit 1897 regelmäßig Künstler und deren Familien nach Burg Stargard lockte, gewann Marie Hager die Stadt lieb und entschied sich zu bleiben. Das Haus in der Drewitzer Chaussee ließ sie sich bauen und richtete dort ihr Atelier ein. Hier konnte sie auch ihrer zweiten Leidenschaft, dem Gärtnern, frönen. Nach der kürzlich erfolgten, umfangreichen Sanierung des Hauses, die im vergangenen Jahr mit Mitteln der Europäischen Union abgeschlossen werden konnte, ist davon jedoch leider nicht viel übriggeblieben. Alte Fotos und Malereien lassen die einst bunte Pracht erahnen.

Kunstverein will Erbe erhalten und erinnern

Schon zu Lebzeiten verloren die Bilder von Marie Hager an Bedeutung. Während des Krieges schwand das Interesse an Landschaftsmalereien. Um dennoch ein Auskommen zu haben, veranstaltete Marie Hager in ihrem Haus Weihnachtskunstausstellungen, zu den sie neben ihren Bildern auch Werke anderer befreundeter Künstler zeigte. Der Marie-Hager-Kunstverein machte daraus eine Tradition und veranstaltet ebenfalls jährlich einen Kunsthandwerkermarkt. Andrea Stahlberg ist zuversichtlich, dass dieser am 14. und 15. November stattfinden kann. Nächster Höhepunkt wird die Eröffnung der Sonderausstellung „Diversitas Artis – die Facetten des W. Georges“ sein, die einen Streifzug durch das künstlerische Schaffen des Architekten und Malers Werner Georges wagen wird. Diese sollte eigentlich bereits Ende März eröffnet werden, musste allerdings wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Am 12. September, passend zum KulturHerbst Mecklenburgische Seenplatte, soll es endlich soweit sein. Am 19. und 20. September wird der Künstler in einem Workshop sogar einen Einblick in seine Techniken geben. Von Manuela Heberer

Öffnungszeiten Marie-Hager-Haus:

Mo + Mi 10 -12 und 13-16 Uhr

Di + Do 13-17.30 Uhr

Jedes 3. Wochenende im Monat Sa + So 14-17 Uhr mit Führungen

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